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Konzerte

Oboenzauberei

Pasewalk | Historisches U
Sonntag | 15.03.2026 | 17:00 Uhr

Demre Erdem, Solo-Oboistin der Staatskapelle Schwerin, und Frank-Immo Zichner, Klavier, spielen Werke von Schumann | Haas | Bozza | Poulenc.

Das heutige Programm stellt die Oboe als erzählendes, lyrisches und zugleich charakterstarkes Instrument in den Mittelpunkt. In sehr unterschiedlichen stilistischen Kontexten – von der romantischen Naturpoesie bis zur Musik des 20. Jahrhunderts – begegnen wir Werken, die Innigkeit, Virtuosität, Melancholie und Humor vereinen. Zugleich spannt das Programm einen Bogen über fast 120 Jahre Musikgeschichte und lässt individuelle kompositorische Handschriften deutlich hervortreten.

Eugène Bozza (1905–1991): Fantaisie Pastorale op. 37 für Oboe und Klavier
Eugène Bozza zählt zu den bedeutendsten französischen Komponisten für Bläserliteratur des 20. Jahrhunderts. Seine Fantaisie Pastorale ist ein Paradebeispiel für den französischen Klangidealismus: transparente Texturen, farbenreiche Harmonik und eine melodische Linie, die die gesanglichen Qualitäten der Oboe voll ausschöpft.
Der Begriff „pastoral“ verweist auf eine idealisierte Naturlandschaft. Bozza verbindet diese Vorstellung mit ruhigen, weit ausschwingenden Melodien, aber auch mit lebhaften Passagen, die technische Brillanz verlangen. Das Klavier begleitet nicht nur, sondern beteiligt sich aktiv an der klanglichen Gestaltung und schafft atmosphärische Räume, in denen sich die Oboe entfalten kann.

Robert Schumann (1810–1856): Aus den Waldszenen op. 82 (Klavier solo)
Mit den Waldszenen schuf Robert Schumann 1848 einen Zyklus kurzer Charakterstücke, die keine konkrete Handlung erzählen, sondern Stimmungen und innere Bilder evozieren. Der Wald ist hier kein realer Ort, sondern ein Seelenraum, in dem Natur und menschliche Empfindung verschmelzen.
Die ausgewählten Stücke zeichnen sich durch poetische Einfachheit, subtile Harmonik und eine besondere Nähe zur Sprache aus – typisch für Schumanns spätes Klavierschaffen. Das Klavier übernimmt in diesem Programmpunkt eine solistische Rolle und bildet zugleich einen intimen Kontrast zu den kammermusikalischen Werken des Abends.

Clara Schumann (1819–1896): Drei Romanzen für Oboe und Klavier
Clara Schumann war nicht nur eine der bedeutendsten Pianistinnen des 19. Jahrhunderts, sondern auch eine hochsensible Komponistin. Ihre Drei Romanzen zeigen eine fein nuancierte, lyrische Tonsprache, die ganz auf Ausdruck und Gesanglichkeit ausgerichtet ist.
Ursprünglich für Violine komponiert, eignen sich diese Stücke in besonderer Weise für die Oboe, deren warmer, menschlicher Klang die introspektive, beinahe gesprochene Qualität der Musik unterstreicht. Das Klavier agiert als gleichwertiger Partner und trägt entscheidend zur emotionalen Tiefe der Werke bei.

Pause

Francis Poulenc (1899–1963): Sonate für Oboe und Klavier
Die Oboensonate von Francis Poulenc ist eines seiner letzten Werke und entstand kurz vor seinem Tod. Sie ist dem Andenken an Sergej Prokofjew gewidmet und vereint Melancholie, Ironie und spirituelle Tiefe – zentrale Elemente von Poulencs Persönlichkeit.
Die Sonate lebt von starken Kontrasten: kantige Rhythmen stehen neben zarten, fast zerbrechlichen Momenten; scheinbare Leichtigkeit schlägt unvermittelt in Ernst um. Die Oboe übernimmt dabei eine sprechende, manchmal klagende, manchmal spielerische Rolle, während das Klavier den oft überraschenden harmonischen Untergrund liefert.

Pavel Haas (1899–1944): Suite op. 17 für Oboe und Klavier

Pavel Haas, ein Schüler Leoš Janáčeks, verbindet in seiner Musik tschechische Volksmusikelemente, moderne Harmonik und rhythmische Prägnanz. Die Suite op. 17 entstand 1939, kurz vor seiner Deportation, und gehört zu seinen wichtigsten Kammermusikwerken.
Die einzelnen Sätze zeichnen sich durch tänzerische Energie, scharfe Kontraste und eine eindringliche Expressivität aus. Besonders auffällig ist der dialogische Umgang zwischen Oboe und Klavier, der immer wieder an Sprache und dramatische Gesten erinnert. Trotz der historischen Tragik im Hintergrund wirkt die Musik erstaunlich vital und direkt.

Dieses Programm lädt dazu ein, die Oboe als vielstimmige Erzählerin zu erleben: als Naturstimme, als romantisches Seeleninstrument und als modernes Ausdrucksmittel. Die Kombination mit dem Klavier eröffnet dabei immer neue Perspektiven – von intimer Zwiesprache bis zu spannungsreicher Auseinandersetzung.