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Stummfilmkonzert

Foto: von Bothmer

Stephan Graf von Bothmer: The General

Buster Keaton – Stummfilmkonzert
Stephan Graf von Bothmer | Klavier
Samstag | 02.03.2024 | 17:00 Uhr

The General
[Buster Keaton, Clyde Bruckman, USA 1926]

Abenteuer-Thrill-Comedy

„The General“ ist eine 1926 gedrehte epische Filmkomödie von und mit Buster Keaton. Der Film spielt zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges und basiert auf dem historisch verbürgten Andrews-Überfall vom 12. April 1862.

Der Lokomotivführer Johnnie Gray (Buster Keaton) nimmt einsam die Verfolgung seiner von nordstaatlichen Spionen entführten Lokomotive General auf. Mit Hartnäckigkeit und Erfindungsreichtum gelingt es ihm, sowohl seine Maschine als auch die Gunst seines geliebten Mädchens Annabelle Lee zurückzuerobern.

Das Werk entstand auf dem Höhepunkt von Keatons Ruhm und gilt als eine der teuersten Komödien der Stummfilmära. Der Misserfolg der Produktion bei Publikum und Kritikern brachte das Ende von Keatons finanzieller und somit auch künstlerischer Unabhängigkeit.

Als Ende der 1950er Jahre seine mittlerweile vergessenen Stummfilme wiederentdeckt wurden, stand „The General“ im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Seither zählt der Film innerhalb der Rezeption aufgrund seiner stringenten Dramaturgie und ambitionierten Bildgestaltung zu den bedeutendsten Komödien der Filmgeschichte.

Stephan Graf v. Bothmer

„Stephan v. Bothmer gehört zu den angesagtesten Stummfilmmusikern in Deutschland.“ (Komische Oper Berlin) Der Pianist füllt Konzertsäle auf fünf Kontinenten mit seinen spektakulären Stummfilm-Konzerten. Bisher hat er über 600 Stummfilme vor über 110.000 Gästen vertont. Das hätte er sich selbst nie träumen lassen. Es sind einfach immer mehr geworden.

„Der Nachfolger Willy Sommerfelds“ (Willy Sommerfeld) hat in zahlreichen deutschen Städten und im Ausland gastiert und sich als vielseitiger, sein Publikum packender Künstler einen Namen gemacht. So spielte er beim Schleswig-Holstein-Musik-Festival in Hamburg und Lübeck, auf dem Rock-Pop-Festival „Berlin-Festival“ im Flughafen Tempelhof – nach Björk und den Pet Shop Boys, im Admiralspalast Berlin, im Berliner Dom, im Wintergarten Varieté Berlin, in der Laeiszhalle Hamburg und in großen Konzerthäusern wie in intimen Theatern weltweit. Ebenso trat er an besonderen Orten wie im Gefängnis Herford und im Nilpferdhaus des Berliner Zoos auf. Zusammen mit Bischof Markus Dröge gestaltete er den ersten Stummfilm-Gottesdienst überhaupt.

Seine Komposition zum Stummfilm „Madame Dubarry“ wurde von ARTE im April 2008 ausgestrahlt und im Mai wiederholt. ZDF, 3Sat und Premiere spielen seine Filmmusik. ProArte, Hamburgs renommierteste klassische Konzertagentur, präsentierte Graf Bothmer in der Laeiszhalle Hamburg. ProArte holt Pianisten wie z.B. Lang Lang nach Hamburg.

Im Oktober 2004 qualifizierte sich Stephan v. Bothmer während des „Le Giornate del Cinema Muto“ in Pordenone (Italien) für einen Meisterkurs für Stummfilmpianisten aus aller Welt – als einer von vier Stummfilmpianisten weltweit.

Bothmers Interpretationen, die auf einer klassischen Ausbildung an der Universität der Künste Berlin gründen, zeichnen sich durch pianistisches Können und Einfühlung, kompositorischen und improvisatorischen Wagemut sowie die souveräne Zusammenführung klassischer und moderner Traditionen aus. Egal, ob er als Solist am Flügel oder an der Kinoorgel auftritt oder als Leiter eines Ensembles: Film und Musik verschmelzen in seinen StummfilmKonzerten zu einer neuen, expressiven Einheit.

Sein Repertoire reicht von den Klassikern des deutschen, russischen und amerikanischen Stummfilmkinos bis hin zu unbekannten Werken, die er wiederentdeckt und zu neuem Leben erweckt hat. Vom monumentalen Science-Fiction-Spektakel über schwermütige Melodramen und düstere Thriller bis hin zur sommerlich beschwingten Komödie – er beherrscht sein Fach virtuos.

Für jeden Film erfindet Stephan v. Bothmer eine neue, einzigartige Musik, welche seine Tiefen auslotet, ohne sich selbst zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Denn erst Bild und Musik gemeinsam erzeugen das Großartige: Das StummfilmKonzert, das die existenziellen Tiefen des Menschen berührt.

Seine Neukompositionen zu den Filmen „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ (Arnold Fanck), „Madame Dubarry“ (Ernst Lubitsch) und „Zuflucht“ (Carl Froelich) wurden vom Staatsorchester Braunschweig auf dem filmfest Braunschweig (2002, 2005 und 2007) uraufgeführt. Seine Neukomposition „Zur Chronik von Grieshuus“ (Arthur von Gerlach) wurde im Rahmen der Braunschweiger Tage für Neue Musik 2013 uraufgeführt.

Im März 2007 interpretierte er in seinem Stummfilm-Marathon alle 21 erhaltenen Lubitsch-Stummfilme an zwei Tagen: am Sonnabend von 11 Uhr bis 1 Uhr nachts und am Sonntag von 11 bis 3 Uhr nachts.

Das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft 2008 begleitete Stephan v. Bothmer an der Kirchenorgel: Bild auf die Leinwand, Ton aus, die Orgel interpretiert das Spiel. „Die Sprache der Orgel ist schonungsloser als die herkömmlicher Reportagen. Am Ende kompensieren die deutschen Fans ihre Trauer über das verlorene Finale mit stehenden Ovationen für einen heißen Kandidaten um den Titel eines Europameisters der Fußballkommentatoren. In jedem Fall ist von Bothmer der Beweis gelungen, dass nicht nur in der Kunst der Stummfilmbegleitung, sondern auch in der Tradition der Orgelimprovisation ein Riesenpotenzial steckt.“ (Der Tagesspiegel)
Mit seinen Fußball-Konzerten schuf er eine vollkommen neuartige Show aus Sport, Musik und nervenzerrendem Drama. Ebenso interpretierte er die WM 2010, die EM 2012, die WM 2014 und nun die EM 2016.

Am 1.3.2010 stellte er als erster Musiker eine neue Musik zur restaurierten Fassung von METROPOLIS (1927 / 2010) für Fügel Solo vor, am 2.3.2010 eine zweite Komposition für Ensemble.

Nicht nur mit Tönen arbeitet Graf v. Bothmer seit 10 Jahren für den Stummfilm. So ist er Herausgeber von über 150 Programmheften, deren Artikel von renommierten Filmhistorikern geschrieben und zusammengetragen wurden. Er war Referent beim „Kolloquium im Filmmuseum Berlin – Der Frühe Film“ und beim Internationalen Round Table des filmfest Braunschweig. Er gibt Meisterkurse für Musiker und Musikstudenten in verschiedenen Ländern sowie Workshops für Kinder und Jugendliche. Göttliche Diven, skrupellose Ganoven und skurrile Gestalten erstrahlen durch seine Musik in neuem Licht.

Seine StummfilmKonzerte sind die erfolgreichsten Stummfilmaufführungen ihrer Art in Deutschland. Friedemann Beyer, ehemaliger Vorstand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, hält die StummfilmKonzerte für einzigartig in Deutschland, der Leiter des filmfest Braunschweig, Volker Kufahl, sagte: „Unter den Titel ‚Popularisierung des Stummfilmes‘ muss man den Namen ‚Stephan von Bothmer‘ setzen.“

Stephan v. Bothmers Filmmusiken gibt es nicht nur live. Er hat zahlreiche Kurzfilme vertont, die auf ZDF, ARTE, Premiere, 3Sat und der Deutschen Welle liefen.

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Opus 12

Manuskript: Emilie Mayer

Werke von Beethoven | Loewe | Mayer
Sayako Kusaka | Violine
Peter Bruns | Violoncello
Annegret Kuttner | Klavier
Samstag | 06.04.2024 | 17:00 Uhr

Ludwig van Beethoven (1770-1827)

Sonate D-Dur op. 12 Nr. 1 für Violine und Klavier

   Allegro con brio
   Tema con Variazioni. Andante con moto
   Rondo. Allegro

Carl Loewe (1796-1869)

Klaviertrio g-Moll op. 12

   Allegro

   Allegro molto agitato

   Larghetto 

   Finale. Allegro assai vivace

****

Emilie Mayer (1812-1883)

Klaviertrio e-Moll op. 12

   Allegro

   Scherzo

   Un poco Adagio

   Finale. Allegro assai


Werke von Emilie Mayer, die mehr als ein Jahrhundert vollständig vergessen schienen, werden nun aufgrund ihrer hohen Qualität wieder entdeckt und häufiger öffentlich gespielt. Mayers Kompositionen zeugen von einem eigenständigen und starken Geist, der sich an Beethoven, ihrem großen Vorbild, orientiert. Mit Ludwig van Beethoven wurde sie zur Zeit ihres Wirkens auch immer wieder verglichen.
Emilie Mayer lebte ganz ihrer Musik und hinterließ ein sehr umfangreiches Œuvre, in dem neben Orchesterwerken und Liedern besonders die Kammermusik einen hervorragenden Platz einnimmt.
Familie hatte Emilie Mayer nicht. In ihrer schöpferischsten Zeit pendelte sie häufig mit der gerade neu gebauten Eisenbahn zwischen Stettin, wo Sie auch Unterricht beim von ihr sehr verehrten Carl Loewe genoss, und Berlin, wo sie große Erfolge verzeichnete.
Nach Clara Schumann und Fanny Mendelssohn war sie die wichtigste und bekannteste deutsche Komponistin. Ihre starke „Leuchtkraft“ innerhalb einer von Männern dominierten Welt äußerte sich auch darin, dass sie oft Tourneen mit ihren Kompositionen unternahm, unter anderem auch nach Wien, Leipzig und Dessau.
Im Programm „Opus 12“ vereinen wir ihr frühes Klaviertrio op. 12 mit Werken aus gleichfalls frühen Schaffensperioden und gleichen Opus-Nummern ihrer großen Vorbilder Beethoven und Loewe.

Emilie Luise Friederika Mayer (* 14. Mai 1812 in Friedland (Mecklenburg); † 10. April 1883 in Berlin) war eine deutsche Komponistin.

Sie begann fünfjährig mit dem ersten Klavierunterricht bei einen Friedländer Organisten und erhielt während ihrer gesamten Kindheit eine umfangreiche humanistische und musikalische Bildung. Nach dem Tod Ihres Vaters wurde sie Schülerin von Carl Loewe in Stettin. Dieser hatte einen gewaltigen Einfluss auf Emilie Mayer. Ihr kompositorisches Schaffen erhielt in dieser Zeit einen extremen Aufschwung. Nach ihrem Debüt als Sinfonikerin zog sie von Stettin nach Berlin. Dort führte sie einen Salon, der Künstler und Musiker anzog. Ihre Werke wurden mit großem Erfolg am königlichen Schauspielhaus aufgeführt; man berief sie zur Vizechefin der Berliner Opernakademie und zum Ehrenmitglied der Philharmonischen Gesellschaft in München.

Zeitgenossen nannten Emilie Mayer den „weiblichen Beethoven“. Trotzdem musste sie als Frau zeitlebens dafür kämpfen, dass ihre Werke öffentlich gespielt und gedruckt wurden. Dabei erhielt sie Unterstützung von ihren beiden Brüdern, und nach und nach wurde ihre Musik in vielen Städten aufgeführt, wie Dessau, Halle, München, Leipzig, Wien und Brüssel.

Emilie Mayer blieb unverheiratet und kinderlos und hatte auch keine Schüler. Sie starb 1883 mit 71 Jahren und geriet, zusammen mit ihrer Musik, in Vergessenheit.

Am Anfang ihrer kompositorischen Laufbahn wurde Emilie Mayer noch beeinflusst von der Wiener Klassik, besonders von Beethoven, am Ende ging sie zu einem romantischeren Stil über. Das väterliche Erbe ermöglichte ihr finanzielle Unabhängigkeit und ein Leben als „Berufskomponistin“,  wie sie sich selbst voller Stolz nannte. Mayer schrieb acht Sinfonien, ein Klavierkonzert, mindestens fünfzehn Ouvertüren, eine Oper, etliche Lieder, acht Violinsonaten, ein Dutzend Cellosonaten, sieben Klaviertrios, zwei Klavierquartette, sieben Streichquartette, zwei Streichquintette, zahlreiche Klavierstücke.